Funktionelle Neurochirurgie und Stereotaxie

Liebe Patientin, lieber Patient,

mit diesen Informationsseiten möchten wir Sie über die Tiefe Hirnstimulation informieren. Sie dienen dazu, das therapeutische Verfahren verständlich zu machen. Sie sollen Ihnen den Ablauf in unserer Klinik näher bringen und auch ein wenig die Angst nehmen.

Diese Seiten werden Ihnen helfen, Fragen zu stellen, damit Sie sich in weiterführenden Gesprächen mit unserem Team auf die Therapie mit der Tiefen Hirnstimulation vorbereiten können.

Wir dürfen Sie in der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn begrüßen und wünschen Ihnen eine angenehmen Aufenthalt und baldige Genesung.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen natürlich gerne zur Verfügung.

Ihr

PD Dr. med. Thomas Kinfe
Oberarzt 
Leiter der Funktionellen Neurochirurgie, Stereotaxie und Neuromodulation

 

Hotline für unsere Patienten

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  1. Patienteninformation Tiefe Hirnstimulation

Tiefe Hirnstimulation

Was ist Tiefe Hirnstimulation (THS)?

Implantiertes THS-System, Schema
(Video: Medtronic)

Bei der tiefen Hirnstimulation (THS) werden Gehirnareale mit elektrischen Impulsen aktiviert oder deaktiviert, um bestimmte Erkrankungen bzw. Symptome zu behandeln. Die tiefe Hirnstimulation gehört dabei zur funktionellen Neurochirurgie, bei der Funktionen des Gehirns zwar beeinflusst werden, sich dieser Einfluss allerdings auch wieder rückgängig machen lässt, also reversibel ist.

In der operativen Therapie von Bewegungsstörungen hat sich die tiefe Hirnstimulation (THS) zu einem effektiven und anerkannten Verfahren entwickelt, wie die große Zahl von über 80.000 Patienten weltweit dokumentiert, denen damit geholfen werden konnte. Die Tiefe Hirnstimulation hat zu einem entscheidenen therapeutischen Fortschritt bei der Behandlung neurologischer Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten geführt.

Wie wirkt die tiefe Hirnstimulation (THS)?

Die Tiefe Hirnstimulation ist eine Operation, bei der feine Elektroden in das Gehirn eingesetzt werden. Diese Elektroden übertragen dauerhaft elektrischen Strom in das Gehirn und schalten damit die krank machende Hirnregion aus. Die Elektrode wird durch eine kleine Öffnung im Schädel in das Gehirn implantiert. Die Stimulationseffekte sieht man an der gegenüberliegenden Körperhälfte. Somit hilft eine Elektrode in der rechten Gehirnhälfte, die Bewegungsfähigkeit der linken Körperhälfte zu verbessern.

Das Besondere daran ist, dass die Funktion der Hirnareale erhalten bleibt und der Effekt der Stimulation jederzeit rückgängig gemacht werden kann. Trotz der klinischen Effektivität ist der genaue Wirkungsmechanismus der Tiefenhirnstimulation bei der Behandlung von Bewegungsstörungen noch unbekannt.

Was sind die Vorteile der tiefen Hirnstimulation?

Der Hauptvorteil gegenüber Verfahren, in denen Hirngewebe zerstört oder entfernt wird/wurde (Pallido- oder Thalamotomie) liegt in der Möglichkeit, die Stimulation abhängig von der erzielten Wirkung anzupassen. Dabei ist die THS eine Behandlungsmethode, die wieder rückgängig gemacht werden kann, ohne das Gewebe in großem Umfang zerstört oder entfernt werden muss. Auch die zum Teil gravierenden Nebenwirkungen der Medikamente bei Parkinson, dem essentiellen Tremor (ET) oder Dystonie sind in dieser Form nicht gegeben.

Im Gegensatz zu vielen neurologischen Krankheitsbildern, bei denen das rasch fortschreitende Krankheitsgeschehen den Neurochirurgen zu einem operativ-therapeutischen Schritt zwingt, handelt es sich bei der tiefen Hirnstimulation um einen im Voraus gut planbaren Eingriff.

Gründe (Indikationen) für die Operation können sein:

  1. Thalamische THS (ViM DBS) bei Tremor (Zittern der Extremitäten), welches sich auf die Lebensqualität auswirkt. Tremor kann auftreten:
    • familiär gehäuft (Essentieller Tremor),
    • im Rahmen einer multiplen Sklerose,
    • nach Hirnschädigung durch Unfall oder Schlaganfall,
    • im Rahmen der Parkinsonschen Erkrankung.
  2. Globus pallidus THS (GPi DBS) bei
    • Dystonie
    • Parkinsonsche Erkankung
  3. Subthalamicus THS (STN DBS) für die Parkinsonsche Erkrankung, wenn sogenannte Wirkfluktuationen aufgetreten sind. Hierbei reagiert der Körper kurz nach der Einnahme des Medikamentes Dopamin (z.B. Madopar®) mit einer überschießenden Beweglichkeit (Dyskinesie), gefolgt von langen Phasen mit geringer Beweglichkeit (Bradykinese) und erhöhter Muskelspannung (Rigidität).
  4. Andere Zielgebiete werden genutzt zur Therapie von Schmerz, Depression und Epilepsie