Neurochirurgische Tumorchirurgie

Die Neurochirurgische Tumorchirurgie ist ein wichtiger Schwerpunkt unserer Klinik. Das Behandlungsspektrum umfasst sowohl gut- als auch bösartige Tumore des Gehirns, der Hirnhäute, des Schädelknochens, aber auch des Rückenmarks und der Wirbelsäule. Unsere Klinik beschäftigt sich seit vielen Jahren besonders mit Operationen bei tief und schwierig gelegenen Hirntumoren (Abb. 1):

niedriggradiges Gliom

Oben: Inseltumor (niedriggradiges Gliom) )vor (links) und nach (rechts) der Operation.
Unten: Temporomesialer Fehlbildungstumor vor (links) und nach (rechts) der Operation.

Gutartige Tumoren (z.B. Meningeome) können oftmals allein chirurgisch behandelt werden (Abb. 2a):

Gutartige Tumore

Links: Kleines Konvexitätsmeningeom.
Rechts: Diese Patientin hat gleich zwei Meningeome – ein großes parasagittales Meningeom rechts – und ein kleines an der linken Konvexität.

Bösartige primäre (z.B. Glioblastome und andere Gliome) ( Abb. 2b):

Glioblastome und andere Gliome

Oben: Am rechten Schläfenlappen
Unten: In der linken Insel.

und sekundäre Hirntumoren (Metastasen) ( Abb. 2c)

sekundäre Hirntumoren

benötigen nach operativer Entfernung oder Biopsie zur Diagnosesicherung eine Nachbehandlung (Strahlentherapie, Chemotherapie).

Bildgebung

Die Zusammenarbeit mit der Neuroradiologie erlaubt uns eine detaillierte Operationsplanung. Auf hochauflösenden Kernspintomographien kann die Lagebeziehung des Tumors zu funktionell wichtigen (eloquenten) Hirnarealen (z.B. Sprach- und Bewegungszentrum) genau dargestellt werden. Spezielle Aufnahmetechniken (DTI, diffusion tensor imaging) und die funktionelle Kernspintomographie zeigen genau, wo solche eloquente Areale bzw. Faserbahnen liegen (Abb. 3). Die Bildgebung dient zusätzlich als Grundlage der Neuronavigation.

Bildgebung

Ein Patient mit einem Gliom, das direkt hinter den motorischen Bahnen (Pfeile) liegt. Den Verlauf der motorischen Faserbahnen (Pyramidenbahn) kann man durch spezielle MRT -Techniken (DTI, diffusion tensor imaging und fiber tracking) sichtbar machen

Mikrochirurgie

Operationen neurochirurgischer Tumore werden unter einem intraoperativen Operationsmikroskop mikrochirurgisch durchgeführt. Das Ziel der Operation ist die weitestgehend komplette Entfernung des Tumors unter Erhalt der neurologischen Funktion.

Der Funktionserhalt kann mittels intraoperativem neurophysiologischem Monitoring überwacht werden. Dieses Neuromonitoring ermöglicht auch in Vollnarkose die Stimulation von für die Bewegung verantwortlichen Faserbahnen und somit die genaue individuelle Lokalisation von eloquenten Arealen. Wenn der Tumor in Kontakt oder Nähe der Sprachareale liegt, kann auch die Durchführung einer sogenannten Wachoperation in Betracht gezogen werden. Hierzu wird der Patient intraoperativ mit Hilfe von Logopäden speziellen Sprachtests unterzogen. Dadurch können während der Operation die sprachrelevanten Hirnareale kartiert und die Sprachfunktion überwacht werden.

Weitere intraoperative Hilfsmittel sind die Neuronavigation, die fluoreszenzgestützte Tumorresektion und das intraoperative MRT(Abb. 4).

Mikrochirurgie Bonn

Stereotaxie

Sollte eine Operation nicht erforderlich oder nicht möglich sein, kann mit Hilfe der Stereotaxie eine Biopsie mit einer dünnen Nadel entnommen werden. Der Ort der Biopsie wird anhand der präoperativen Bildgebung exakt und millimetergenau geplant. Eine stereotaktische Biopsie erfolgt über einen kleinen Hautschnitt und ein kleines Bohrloch. Die eigentliche Operation dauert nur einige Minuten. Der Eingriff kann sowohl in Vollnarkose wie auch in örtlicher Betäubung durchgeführt werden.

Interdisziplinäre Neuroonkologie

Da viele Tumoren zusätzlich zur Operation auch strahlen- und chemotherapiert werden müssen, wird die Behandlung in einer interdiziplinären Besprechung im Rahmen einer wöchentlichen Tumorkonferenz festgelegt. Wir versuchen bewusst, den Patienten die Teilnahme an klinischen Studien zu ermöglichen. An dieser Tumorkonferenz sind die Kliniken für Neurochirurgie, Neurologie (Schwerpunkt Neuroonkologie), Radiologie (FE Neuroradiologie und Strahlentherapie) und Pädiatrische Onkologie, das Institut für Neuropathologie und bei Bedarf die Onkologische Klinik sowie das Institut für Allgemeinpathologie beteiligt. Gäste aus umliegenden Kliniken nehmen regelmäßig an der Tumorkonferenz teil.

Dr. med. Ági Güresir, PD Dr. med. Patrick Schuss