Hypophysen- und Schädelbasischirurgie

Die Schädelbasis, die auch die Hypophyse beinhaltet, ist die Übergangszone zwischen dem Inneren des Hirnschädels und den benachbarten Regionen des Gesichtsschädels, des Halses und der oberen Halswirbelsäule. Dementsprechend erstreckt sie sich von den Augenhöhlen über die Schläfenbereiche bis zum Hinterhaupt. Die chirurgische Behandlung von Erkrankungen im Bereich der Schädelbasis stellt infolge der komplexen und engen anatomischen Beziehungen mit lebenswichtigen Hirnstrukturen, Hirnnerven und Hirngefäßen eine ganz besondere Herausforderung dar. Deswegen erfolgen die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Schädelbasis interdisziplinär in Zusammenarbeit mit unseren internistisch-endokrinologischen, HNO-ärztlichen, MKG-chirurgischen, strahlentherapeutischen und augenärztlichen Kollegen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit führt zur Optimierung der Behandlungsergebnisse und bietet Ihnen ein universitäres, ausgewogenes, interdisziplinäres Beratungs- und Therapiekonzept in unserer Spezialsprechstunde.

Aufgrund der o. g. komplexen Anatomie und vitalen Bedeutung der Schädelbasis erfordern diese Tumore einen besonderen operativen Aufwand mit Einsatz modernster Technik, wie Neuronavigation, intraoperative Überwachung der Hirn- und Hirnnerventätigkeit, intraoperative Kernspintomographie, rekonstruktive Plastiken und Einsatz des Operationsmikroskops und/oder des Neuroendoskops. Dabei kommt der Erfahrung des Operationsteams und der Operationsstrategie eine besondere Bedeutung zu: Die Wahl des operativen Zuganges und des Ausmaßes der geplanten Tumorresektion haben zum Ziel eine weitestgehend mögliche Tumorresektion bei kleinstmöglicher Gefährdung neurologischer Funktionen des Patienten zu erreichen.

Sollten Sie einen entsprechenden Beratungsbedarf haben, so erhalten Sie einen Termin in unserer Spezialsprechstunde unter 0228 287 16508.

Hypophysentumore

Tumoren der Hirnanhangsdrüse (Hypophysentumore) machen etwa 10 % aller Hirntumore aus. Die überwiegende Mehrzahl dieser Tumore ist allerdings klein und führt zu keiner neurologischen Ausfallserscheinung oder hormonellen Störung.

Große Hypophysentumore (Hypophysenmakroadenome) werden in der Regel, durch ihre nachbarschaftliche Beziehung zum Sehapparat, durch Sehstörungen bis hin zur Blindheit, auffällig. Kleinere Hypophysentumore (Hypophysenmikroadenome) werden in der Regel entdeckt wenn sie zu Störungen des Hormonhaushaltes führen.

Die Behandlung von Hypophysentumoren kann je nach Typ, dem Vorliegen von Sehstörungen oder einer Überfunktion medikamentös, operativ oder mittels Bestrahlung erfolgen. Daher ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedenster medizinischer Fachrichtungen essentiell für den Behandlungserfolg.

Ziel der Behandlung ist die Beseitigung des raumfordernden Effektes auf den Sehapparat oder die Beseitigung der überschüssigen Hormonproduktion.

Die operative Therapie kann in 90-95% der Fälle durch die Nase d.h. transnasal erfolgen. Unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskops kann der Tumor über diese minimal invasive Technik dargestellt und –wann immer möglich- eine selektive Adenomentfernung durchgeführt werden. Bei sehr ausgedehnten Befunden oder wiederkehrenden Tumoren kann die Verwendung von Navigationssystemen oder einer intraoperativen Kernspintomographie die Unterscheidung von gesundem Gewebe oder Narbe zu tumorösem Gewebe erleichtern. In besonderen Fällen kann auch die Verwendung von Endoskopen die Visualisierung des Tumors verbessern. In seltenen Fällen kann die operative Entfernung des Tumors durch die Schädeldecke notwendig sein. Hierbei können durch einen kleinen Zugang hinter der Stirnhaargrenze sehr tief sitzende und asymmetrisch wachsende große Hypophysentumore unter Schonung des Sehapparates entfernt werden. Sollte eine komplette Entfernung des Tumors nicht möglich sein, kann im Rahmen der Operation zumindest ein Sicherheitsabstand zu Strukturen geschaffen werden, die im Rahmen einer anschließenden Bestrahlung so wenig wie möglich beeinträchtigt werden sollen. Zu diesen sogenannten Risikostrukturen zählen im Wesentlichen die Sehnerven und die Sehnervenkreuzung.

In Abhängigkeit des Adenomtyps sind optimale Dauerergebnisse in etwa 65 – 95% der Fälle zu erzielen. Liegt bereits vor einer Operation eine Sehstörung vor, kann in etwa 90% der Fälle eine Verbesserung des Sehvermögens erzielt werden.

In unserer Spezialsprechstunde für Hypophysentumore erwartet Sie ein eingespieltes und erfahrenes Team. Durch die enge Zusammenarbeit mit mehreren unterschiedlichen Fachrichtungen (Endokrinologie, Strahlentherapie, Augenheilkunde) gelingt es uns eine individuelle Beratung und ggf. Therapie auf höchstem universitären Standard zu gewährleisten.

Prof. Dr. Hartmut Vatter – PD Dr. Erdem Güresir – PD Dr. Patrick Schuss

Hypophysensprechstunde

Einen Termin in unserer Spezialsprechstunde erhalten Sie unter 0228 287 16508.

Zu Ihrem Vorstellungstermin bringen Sie bitte Folgendes mit:

  • aktuellen endokrinologischen Laborbefund (inkl. ACTH, Cortisol, Prolaktin, LH, FSH, TSH, T3, T4, IGF-1, Wachstumshormon, ADH, Testosteron)
  • einen aktuellen augenärztlichen Befund (mit Messergebnissen der Sehschärfe (Visus) und der Gesichtsfeldbestimmung)
  • ein aktuelles MRT des Schädels mit und ohne Kontrastmittel (mit Zielaufnahmen auf die Sellaregion)