Epilepsie

Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der es zum regelmäßigen Auftreten von Anfällen kommt. Viele Epilepsien fallen bereits im frühen Kindes- oder Jugendalter auf. Die weitaus meisten Patienten sind durch eine Epilepsie kaum oder gar nicht in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Da epileptische Anfälle oft durch eine angeborene oder frühkindliche Hirnschädigungen ausgelöst werden, sind Einschränkungen und Entwicklungsverzögerungen eher auf diese Ursachen als auf die begleitende Epilepsie zurückzuführen.

Grand Mal Anfälle

Epileptische Anfälle können ganz verschieden aussehen. Besonders erschreckend ist der so genannte große epileptische Anfall (Grand Mal), bei dem eine Verkrampfung der Muskulatur, gefolgt von Muskelzuckungen auftritt. Dieser Anfall dauert in der Regel ein bis zwei Minuten; danach ist der Patient meist sehr müde.

Absencen

Kurze Bewusstseinspausen, wie sie im „Hans guck’ in die Luft“ beschrieben sind, stellen eine weitere Form der Epilepsie dar. Je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist, treten auch unkontrollierbare Bewegungen auf.

Depression und Gedächtnisstörungen

Patienten mit Epilepsie erkranken häufiger an Depressionen. Darüber hinaus leiden viele Patienten unter Beeinträchtigungen ihrer Gedächtnisleistungen. Die Neuropsychologen unserer Klinik für Epileptologie erforschen, untersuchen und behandeln diese Begleitsymptome.

Medikamente

Etwa zwei Drittel aller Menschen mit Epilepsie werden durch Antiepileptika, also Medikamente gegen die Epilepsieerfolgreich behandelt, d.h. es treten keine Anfälle mehr auf. Rund die Hälfte von ihnen muss diese Medikamente allerdings ein Leben lang einnehmen. Bei einem Drittel der Patienten ist die Behandlung dagegen deutlich schwieriger. Bei ihnen sind die Medikamente nicht hinreichend wirksam oder aufgrund von Nebenwirkungen nicht verträglich. Etwa 20 Prozent dieser schwer behandelbaren Epilepsiepatienten kann durch epilepsiechirurgische Eingriffe geholfen werden.

Epilepsiechirurgie

Für die Betroffenen liegt in der Operation eine Chance anfallsfrei zu werden und eventuell auch langfristig keine Medikamente mehr einnehmen zu müssen. Ziel der epilepsiechirurgischen Operation ist die Entfernung des epilepsieauslösenden Hirngewebes unter bestmöglicher Schonung aller wichtigen Hirnfunktionen. Um dieses Ziel zu erreichen kommen unterschiedliche, zum Teil hier entwickelte operative Techniken und Strategien zum Einsatz. Hierzu zählen z.B. die funktionelle Hemisphärendeafferentierung, die selektive Amygdalohippokampektomie, sowie „maßgeschneiderte“ Resektionen der epileptogenen Areale. Die jeweils passende Operationstechnik wird in einer ausführlichen diagnostischen Vorbereitungsphase festgelegt.

Die enge kooperative Betreuung von epilepsiechirurgischen Patienten durch die Kliniken für Epileptologie und Neurochirurgie setzt Maßstäbe. Aufgrund dieser interdisziplinären Zusammenarbeit ist in Bonn in den letzten 2 Jahrzehnten eins der weltweit größten Epilepsiechirurgischen Zentren gewachsen. Mittlerweile blicken wir auf die Erfahrung von fast 3000 Operationen bei Patienten mit pharmakoresistenter Epilepsie zurück. Alle epilepsiechirurgischen Patienten werden durch die Klinik für Epileptologie regelmäßig nachbetreut. Die enge Kooperation der beteiligten Kliniken und Ärzte ist wesentliche Grundlage der im Hinblick auf die Epilepsiebehandlung erfolgreichen Ergebnisse unseres Zentrums. Der klinische Schwerpunkt wird durch engagierte und hochkarätige grundlagenwissenschaftliche Epilepsieforschung ergänzt.