Hydrocephalus

Der Liquorkreislauf

Gehirn und Rückenmark werden von einer wässrigen Flüssigkeit umhüllt und durchspült. Der sogenannte Liquor hat eine stoßdämpfende, ernährende, infektabwehrende und reinigende Funktion. Er wird teilweise in einem Venengeflecht der Hirnkammern, dem sogenannten Plexus chorioideus  produziert, teilweise aus den Zellzwischenräumen des Gehirns in die Hirnkammern und auf die Hirnoberfläche abgesondert. Täglich wird das gesamte Flüssigkeitssystem mehrfach ausgetauscht. Durch Gefäßpulsationen im Schädelinnenraum sowie die wechselnden Atemdrücke entlang der Wirbelsäule wird der Liquor ständig verwirbelt und in Bewegung gehalten. Über der Oberfläche des Gehirns und des Rückenmarkes wird die so bewegte Flüssigkeit von den halbdurchlässigen Venen aufgenommen und über den Blutkreislauf in die Nieren und zur Ausscheidung gebracht. Ein kleinerer Teil wird auch in das Lymphsystem abgeführt.

Störungen des Liquorkreislaufes

Das sehr empfindliche Gleichgewicht zwischen Liquorentstehung, Liquorbewegung und Liquorabtransport kann durch verschiedene Ursachen gestört werden. Häufig  sind dies Verklebungen der Hirnkammerwände durch Infektionen, Blockaden des Abflusses durch Tumore, Zysten oder Blutungen, Fehlbildungen des Hirnkammersystems oder Druckerhöhungen im venösen Gefäßsystem.  Sehr selten kommt es auch zu einer Überproduktion von Flüssigkeit im Plexus. In allen genannten Fällen staut sich der Liquor in den Hirnkammern oder über der Hirnoberfläche und erzeugt eine  Druckerhöhung im Schädelinnenraum, die schädliche Folgen haben kann.

Der angeborene Hydrocephalus

Ein Hydrocephalus kann schon sehr früh entstehen und bereits vor der Geburt im Ultraschall sichtbar werden. Oft besteht ein Zusammenhang mit Infektionen, Fehlbildungen wie z.B. spina bifida oder einer genetischen Erkrankung.

Frühgeburtlichkeit

Bei Frühgeborenen besteht aufgrund der Unreife des Hirn- und Gefäßgewebes ein erhöhtes Risiko einer Hirnblutung. Der Hydrocephalus ist eine häufige Komplikation dieser  Blutung. Er erfordert  frühe neurochirurgische Entlastungsmaßnahmen.

Infektion

Hydrocephalus kann als Komplikation einer Meningitis auftreten. Im Rahmen der Infektion kommt es vermutlich durch eine Zunahme klebriger (Eiweiss-) Zellen im Liquor zu einer Verlegung der Liquorpassage oder zu einer Verklebung der Oberflächen der für die Liquoraufnahme zuständigen Blutgefäße.

Hirntumore

Hirntumore können, abhängig von Ihrer Lage, schon in einem frühen Stadium ihrer Entstehung die Liquorzirkulation unterbrechen. Manchmal ist deshalb der Hydrocephalus das erste Zeichen für einen Tumor.

Unbekannt

In vielen Fällen bleibt  die Ursache eines Hydrocephalus unbekannt.

Hydrocephalus – Folgen

Die Folgen eines Hydrocephalus sind abhängig von Entstehungsmechanismus undEntstehungszeitpunkt. Gemeinsam ist ihnen der Flüssigkeitsstau, der operativ beseitigt werden muß. Die Entwicklung des betroffenen Kindes hängt davon ab, ob sich der Hydrocephalus in einem vorher gesunden Gehirn entwickelt hat. In diesem Falle können bei rechtzeitiger Behandlung Schäden vermieden werden. Eine normale Reifung und Entwicklung des Gehirns ist möglich. Die heute verfügbare Shunttechnologie trägt bei richtigem Einsatz dazu bei, daß sekundäre Schäden durch eine künstliche Wasserableitung in den Bauch vermieden werden.

In einem bereits vorgeschädigten oder komplexer fehlgebildeten zentralen Nervensystem hängt die Entwicklung des Kindes eher vom Ausmaß dieser Fehlbildungen als von der gestörten, aber gut regulierbaren Liquorableitung ab. Auch hier ist eine möglichst hochwertige Shuntversorgung essentiell für den Erhalt aller angelegten Funktionen.

Behandlungsmöglichkeiten des Hydrocephalus

(VP-) Shunt

Der sogenannte ventrikuloperitoneale Shunt ist die heute gebräuchlichste Form der Liquorableitung aus einer der miteinander verbundenen Hirnkammern in den Bauchraum. Die früher gebräuchlichere Ableitung in das Venensystem (ventrikulo-atrialer Shunt) wird wegen der seltenen, aber doch gefährlichen Komplikation einer Entzündung des Herzens nur noch in Ausnahmefällen angewandt.

Endoskopie

Ein Neuroendoskop besteht aus einem in ein langes und schmales Metallröhrchen eingebautes Kamera – und Arbeitssystem, das über einen wenige Millimeter großen, ungefährlichen Zugang durch das Gehirn in die Hirnkammern vorgeschoben werden kann. Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn die  Inspektion oder Biopsie  verdächtiger Gewebe erforderlich ist, oder eine Eröffnung verschlossener Liquorabflußwege oder die exakte Plazierung eines Ableitungssystems in einer tiefer gelegenen Hirnkammer unter Sicht durchgeführt werden muß.

Endoskopie, Navigation und Shunt

Navigationssysteme können sinnvoll zur Steuerung und Kontrolle endoskopischer Eingriffe am Ventrikelsystem genutzt werde. Sie dienen entweder dazu, den besten Ort für eine Erföffnung der Schädeldecke zu errechnen, um das Endoskop von dort aus auf einem möglichst ungefährlichen Weg in der gewünschten Position zu plazieren; sie können aber auch zur endoskopischen Shuntanlage bei komplexen Formen des Hydrocephalus genutzt werden:

Insbesondere nach Infektionen des Liquorsystems kann es zu einer Zystenbildung in den Hirnkammern kommen. Der ungehinderte Abfluß des Liquors ist dann nicht mehr möglich. Ziel einer endoskopischen Operation ist die Verbindung isolierter Zysten, um sie schließlich über ein  Shuntsystem mit einem  einzigen zentralen Katheter abzuleiten.

Ventrikulozisternostomie

Diese endoskopische Spezialtechnik  kann bei einer Liquorabflußblockade am Ein-oder Ausgang des tiefsten (4.) Ventrikels angewandt werden. Sie schafft einen Kurzschluß der Liquorzirkulation durch einen künstlichen Ausgang aus dem 3. Ventrikel zur Hirnoberfläche hin. Manchmal kann mit dieser Technik die Implantation eines Shunts vermieden werden.