Neuromodulation und Schmerz

Liebe Patientin,
lieber Patient,

Sie befinden sich seit vielen Jahren wegen Ihrer Schmerzerkrankung in Behandlung. Diese Erkrankung ist nicht oder nur unzureichend mit anderen operativen, interventionellen physiotherapeutischen oder medikamentösen Maßnahmen behandelbar. Dieser Schmerz beeinträchtigt maßgeblich Ihre Lebensqualität.

 

Die Neuromodulation könnte ein Verfahren für die Verbesserung Ihrer Lebensqualität darstellen.

ONS

Die Neuromodulation ist ein seit den 80er Jahren bewährtes und  etabliertes therapeutisches Verfahren zur Behandlung sicherer chronischer Schmerzen und Durchblutungsstörungen. Die Neuromodulationstherapie beeinflusst die Weitergabe von Nervenimpulsen, dies das Gehirn als Schmerz verarbeitet. Im Gegensatz zu früheren Verfahren (z. B. Nervendurchtrennungen) handelt es sich um ein nicht zerstörerisches, sondern um ein reversibles Verfahren, bei dem alle Effekte umkehrbar sind.

Im Folgenden möchten wir Ihnen diese Verfahren näher bringen und erläutern.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen natürlich gerne zur Verfügung.

Ihr

PD Dr. med. Thomas Kinfe
Oberarzt
Leiter der Funktionellen Neurochirurgie, Stereotaxie und Neuromodulation


Prinzip der Neuromodulation

Die Hinterstrangstimulation (spinal cord stimulation, SCS), bei der über epidural implantierte Elektroden unterschiedliche Segmente des Rückenmarks chronisch stimuliert werden, ist bei verschiedenen chronischen Schmerzsyndromen wie dem neuropathischen Schmerz (Kumar et al. 2008) der pAVK, und der Angina pectoris (Wu et al. 2008) eine wirkungsvolle und nebenwirkungsarme Behandlungsform. Daneben können der orthostatische Tremor (Krauss et al. 2006), der Phantomschmerz (Enggaard et al. 2008) sowie die adjuvante Tumortherapie (Upadhyayam et al. 2007) weitere seltenere Indikationen sein. Dabei werden unterschiedliche Wirkmechanismen je nach Höhe der stimulierten Segmente postuliert und diskutiert.

Die Wirkmechanismen der SCS bei peripheren Durchblutungsstörungen beruhen auf mehreren Effekten. Zum einen erzeugt nach der „gate contro“ Theorie die chronische, hochfrequente SCS der somato-afferenten Bahnen einen antinociceptiven Effekt, der über C – Fasern und A8 – Fasern im Bereich des Hinterhorns vermittelt wird (Melzack et al. 1965), was eine signifikante Schmerzreduktion erzeugt.

Welche Schmerzen können mit der Neurostimulation behandelt werden

Jedoch soll die SCS Ihnen helfen, die verlorene Lebensqualität wiederzugeben oder diese deutlich zu verbessern. Schmerz ist eine sehr komplexe Erkrankung und vor diesem Hintergrund stehen uns verschiedene spezielle Verfahren zur Verfügung.
Folgende Verfahren kommen zur Anwendung:

SCS (Spinal Cord Stimulation oder auch Rückenmarksstimulation)
– Postnukleotomie Syndrom (FBSS)
– Chronischer Ischiasschmerz bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit)
– Angina pectoris (chronische Herzschmerzen)
– Chronisches regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
– Chronische Rücken- und Beinschmerzen
– Diabetische Neuropathie

Okzipitale Nervenstimulation bei chronischen Kopfschmerzerkrankungen
– Cluster-Kopfschmerz
– Chronische Migräne
– Chronischer Spannungskopfschmerz
– Okzipitalisneuralgie

Dorsal Root Ganglion (DRG) Stimulation
– Chronischer Leistenschmerz nach Leistenbruchoperation
– Phantomschmerz nach Amputation